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Was in deinem Gehirn passiert, wenn du meditierst

Ich vergleiche Meditation gerne mit dem Fussball oder jeder anderen Sportart, die dir lieber ist. Niemand geht direkt auf den Platz, um das Meisterschaftsspiel zu spielen, sondern man geht zuerst ins Training und lernt, mit dem Ball umzugehen. Dann kommt das Freundschaftsspiel, und erst im dritten Schritt das echte Spiel.

Bei der Meditation ist das genauso. Das Training ist die Meditation selbst: Du bemerkst zum Beispiel, dass es irgendwo juckt, und lernst, diesen Impuls erst einmal zu beobachten, bevor du automatisch anfängst, dich zu kratzen. Im Alltag würdest du das wahrscheinlich gar nicht bemerken und einfach kratzen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Das Freundschaftsspiel wäre dann, dass du beim Abwasch merkst, wie ein Jucken entsteht, und einen Moment wartest, bevor du reagierst. Und das Meisterschaftsspiel, das könnte ein Streit mit dem Partner sein, bei dem du den aufsteigenden Impuls bemerkst und bewusst wählen kannst, wie du antworten möchtest, statt einfach zu reagieren. Genau das trainiert Meditation: den Moment zwischen Reiz und Reaktion, und erste Studien deuten darauf hin, dass regelmässige Achtsamkeitspraxis genau das bei Menschen mit ADHS unterstützen kann.

Dein Achtsamkeitsmuskel

Meditation ist Geistestraining. Wir trainieren sozusagen unseren Achtsamkeitsmuskel, ähnlich wie wir im Fitnessstudio den Bizeps trainieren, und der Bizeps wächst am besten, wenn wir täglich ein wenig üben und nicht nur einmal pro Woche eine Stunde. Dieser Achtsamkeitsmuskel steht für verschiedene Gehirnregionen, und er verändert sich durch regelmässige Praxis tatsächlich nachweislich. Besonders aktiv ist dabei der Bereich hinter unserer Stirn, der frontale Kortex, der sich durch Meditation strukturell weiterentwickelt, genau jener Bereich, der sich bei Menschen mit ADHS anscheinend langsamer entwickelt als bei neurotypischen Menschen.

Vom Trampelpfad zur Autobahn

Die Wege, die du dabei im Gehirn gehst, sind anfangs vielleicht ein Trampelpfad durch ein Dickicht, werden mit der Zeit zu einem breiten Kiesweg und irgendwann vielleicht zu einer Autobahn, mehr Präsenz, mehr Wahlfreiheit, mehr Raum zwischen dem, was passiert, und dem, wie du darauf antwortest.

Wo du anfangen kannst

Wenn du das nächste Mal etwas spürst, einen Juckreiz, eine Anspannung, den Drang, sofort zum Handy zu greifen, dann halte kurz inne. Nicht für lange, vielleicht nur für einen Atemzug. Beobachte, was da ist, ohne sofort zu reagieren. Das ist dein Training und je öfter du das übst, in kleinen Momenten des Alltags, desto mehr wirst du merken, dass du auch in grösseren Momenten mehr Spielraum hast.

Wenn du noch nicht weisst, wie du mit dem Meditieren anfangen sollst, findest du hier einen guten Einstieg: Meditieren mit ADHS: Du kannst nichts falsch machen. Und wenn du mehr darüber lesen möchtest, wie sich diese Veränderungen im Alltag zeigen, empfehle ich dir meinen Artikel über Impulsivität bei ADHS.