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Konzentration lässt sich nicht befehlen

Gastbeitrag von Liam Mörker

Wenn ich Eltern frage, woran es beim Lernen hakt, kommt fast immer derselbe Satz: «Es kann sich einfach nicht konzentrieren.» Danach folgt die Liste der Versuche. Handy weg, Timer gestellt, Belohnung versprochen, strengerer Ton. Manchmal hält das einen Abend. Meistens nicht.

Ich glaube, wir denken über Konzentration falsch. Wir behandeln sie wie einen Schalter, den ein Kind nur umlegen müsste, wenn es sich genug zusammenreisst. Dabei ist sie eher ein Zustand, in den man hineinkommt, als etwas, das man auf Ansage herstellt. Wer schon einmal versucht hat, sich zur Ruhe zu zwingen, kennt das Grundproblem. Je mehr Druck, desto weniger Ruhe.

An diesem Punkt berührt sich mein Alltag mit deinem. In der Achtsamkeit geht es darum, mit der Aufmerksamkeit bei einer Sache zu bleiben und zu bemerken, wann sie abschweift, ohne sich dafür zu verurteilen. Genau das braucht ein Kind am Schreibtisch auch. Nicht mehr Willenskraft, sondern die Fähigkeit, überhaupt bei einer Aufgabe anzukommen und dort eine Weile zu verweilen.

In der Lernbegleitung zu Hause sehen wir das täglich. Ein Kind, das zwischen Mathe, einer Nachricht und dem Gedanken ans Training hin und her springt, ist nicht faul. Es hat nie gelernt, in eine Sache einzutauchen. Und dorthin kommt es auch nicht, indem man ihm nur die Ablenkung wegnimmt. Die Leere danach füllt sich sofort mit der nächsten Unruhe.

Was hilft, ist unspektakulär. Eine Sache zur Zeit. Kurze Einheiten, in denen wirklich nur das Eine zählt, mit klaren Pausen dazwischen. Und davor ein Moment zum Ankommen. Zwei, drei bewusste Atemzüge, ein Blick auf das, was jetzt dran ist. Für ein aufgedrehtes Kind ist dieser Übergang vom Rennen ins Sitzen oft die halbe Miete. Es klingt nach wenig, verschiebt den Zustand aber spürbar.

Bei Kindern mit ADHS oder hoher Reizoffenheit sehe ich das noch deutlicher. Ihr Nervensystem springt schneller an, jedes Geräusch und jede Bewegung im Raum zieht die Aufmerksamkeit weg. Für sie ist der Weg in eine Aufgabe kürzer gedacht als getan, und genau da wird der Rahmen zum Entscheidenden. Weniger auf dem Tisch, ein fester Platz, kurze Einheiten mit klarem Anfang und Ende. Oft hilft es, die grosse Aufgabe in einen ersten, winzigen Schritt zu zerlegen, damit das Ankommen überhaupt gelingt. Eine ganze Seite ist eine Wand, die erste Zeile ist eine Tür. Das nimmt den Kampf aus der Situation, und ein Kind, das nicht ständig gegen die eigene Unruhe und gegen die Erwartung von aussen ankämpfen muss, hat schlicht mehr übrig für die Sache selbst.

Ich sehe auch, was passiert, wenn die Anspannung der Eltern mit am Tisch sitzt. Ein Kind spürt sofort, ob jemand neben ihm nervös auf Resultate wartet. Dann lernt es nicht, es verteidigt sich. Ruhe von aussen wirkt hier oft mehr als jeder gut gemeinte Hinweis. Wer selbst kurz zur Ruhe kommt, bevor er sich danebensetzt, gibt mehr weiter als mit jeder Aufforderung, sich zu konzentrieren.

Und nein, das löst nicht jede Schwierigkeit und heilt kein ADHS. Bei manchen Kindern steckt mehr dahinter, und dann braucht es Fachleute, keine Atemübung. Aber der erste Schritt ist fast immer derselbe. Wir hören auf, Konzentration zu verlangen, und fangen an, die Bedingungen zu schaffen, unter denen sie von selbst entsteht.

Vielleicht liegt genau da die Brücke zwischen dem, was du unterrichtest, und dem, was Kinder beim Lernen brauchen. Nicht das ruhige Kind als Ziel, sondern der ruhige Rahmen als Anfang.

Wenn ich Eltern frage, woran es beim Lernen hakt, kommt fast immer derselbe Satz: «Es kann sich einfach nicht konzentrieren.» Danach folgt die Liste der Versuche. Handy weg, Timer gestellt, Belohnung versprochen, strengerer Ton. Manchmal hält das einen Abend. Meistens nicht.

Ich glaube, wir denken über Konzentration falsch. Wir behandeln sie wie einen Schalter, den ein Kind nur umlegen müsste, wenn es sich genug zusammenreisst. Dabei ist sie eher ein Zustand, in den man hineinkommt, als etwas, das man auf Ansage herstellt. Wer schon einmal versucht hat, sich zur Ruhe zu zwingen, kennt das Grundproblem. Je mehr Druck, desto weniger Ruhe.

An diesem Punkt berührt sich mein Alltag mit deinem. In der Achtsamkeit geht es darum, mit der Aufmerksamkeit bei einer Sache zu bleiben und zu bemerken, wann sie abschweift, ohne sich dafür zu verurteilen. Genau das braucht ein Kind am Schreibtisch auch. Nicht mehr Willenskraft, sondern die Fähigkeit, überhaupt bei einer Aufgabe anzukommen und dort eine Weile zu verweilen.

In der Lernbegleitung zu Hause sehen wir das täglich. Ein Kind, das zwischen Mathe, einer Nachricht und dem Gedanken ans Training hin und her springt, ist nicht faul. Es hat nie gelernt, in eine Sache einzutauchen. Und dorthin kommt es auch nicht, indem man ihm nur die Ablenkung wegnimmt. Die Leere danach füllt sich sofort mit der nächsten Unruhe.

Was hilft, ist unspektakulär. Eine Sache zur Zeit. Kurze Einheiten, in denen wirklich nur das Eine zählt, mit klaren Pausen dazwischen. Und davor ein Moment zum Ankommen. Zwei, drei bewusste Atemzüge, ein Blick auf das, was jetzt dran ist. Für ein aufgedrehtes Kind ist dieser Übergang vom Rennen ins Sitzen oft die halbe Miete. Es klingt nach wenig, verschiebt den Zustand aber spürbar.

Bei Kindern mit ADHS oder hoher Reizoffenheit sehe ich das noch deutlicher. Ihr Nervensystem springt schneller an, jedes Geräusch und jede Bewegung im Raum zieht die Aufmerksamkeit weg. Für sie ist der Weg in eine Aufgabe kürzer gedacht als getan, und genau da wird der Rahmen zum Entscheidenden. Weniger auf dem Tisch, ein fester Platz, kurze Einheiten mit klarem Anfang und Ende. Oft hilft es, die grosse Aufgabe in einen ersten, winzigen Schritt zu zerlegen, damit das Ankommen überhaupt gelingt. Eine ganze Seite ist eine Wand, die erste Zeile ist eine Tür. Das nimmt den Kampf aus der Situation, und ein Kind, das nicht ständig gegen die eigene Unruhe und gegen die Erwartung von aussen ankämpfen muss, hat schlicht mehr übrig für die Sache selbst.

Ich sehe auch, was passiert, wenn die Anspannung der Eltern mit am Tisch sitzt. Ein Kind spürt sofort, ob jemand neben ihm nervös auf Resultate wartet. Dann lernt es nicht, es verteidigt sich. Ruhe von aussen wirkt hier oft mehr als jeder gut gemeinte Hinweis. Wer selbst kurz zur Ruhe kommt, bevor er sich danebensetzt, gibt mehr weiter als mit jeder Aufforderung, sich zu konzentrieren.

Und nein, das löst nicht jede Schwierigkeit und heilt kein ADHS. Bei manchen Kindern steckt mehr dahinter, und dann braucht es Fachleute, keine Atemübung. Aber der erste Schritt ist fast immer derselbe. Wir hören auf, Konzentration zu verlangen, und fangen an, die Bedingungen zu schaffen, unter denen sie von selbst entsteht.

Liam Mörker ist Mitgründer von Fokus Nachhilfe. Mit seinem Team begleitet er in der ganzen Deutschschweiz Familien beim Lernen zu Hause und setzt dabei auf Begleitung statt blosse Vermittlung. Mehr dazu auf fokus-nachhilfe.ch.

MBSR-Kurs für Eltern

Wenn du selbst ruhiger werden möchtest

Liam beschreibt, wie viel Ruhe ein Kind von aussen braucht, um sich sammeln zu können. Diese Ruhe entsteht meistens zuerst bei den Erwachsenen. Im MBSR-Kurs für Eltern von Kindern mit ADHS geht es einmal um dich und um die Frage, wie du gelassen bleibst, wenn zu Hause vieles gleichzeitig passiert. Acht Abende und ein Tag der Achtsamkeit, vor Ort in Altenrhein für CHF 790.

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