Die Schwangerschaft ist für Frauen eine sehr spezielle Zeit, die grosse Veränderungen mit sich bringt. Vielleicht bist du bereits mit Achtsamkeit in Berührung gekommen, weil du z.B. einen MBSR-Kurs besucht hast? Oder du hast nur davon gehört und willst mehr darüber erfahren, wie du deine Schwangerschaft achtsam gestalten kannst?
Gerne zeige ich dir Gründe auf, warum gerade die Schwangerschaft eine wunderbare Zeit ist, die eigene Achtsamkeitspraxis aufzufrischen oder mit ihr zu beginnen.
Achtsamkeit in der Schwangerschaft schenkt dir die Möglichkeit, intensiver mit dem Baby zu sein.
Achtsam zu sein bedeutet, im Moment zu sein. In der Schwangerschaft übst du, mit deinem Baby zu sein, wenn du zum Beispiel spürst, wie es sich in deinem Bauch bewegt.
Es fällt vielen Menschen im Alltag schwer, wach und präsent für den jetzigen Moment zu sein. Die meiste Zeit befinden wir uns im sogenannten «Autopilotenmodus». Wenn wir Dinge im Autopilot erledigen, bekommen wir eigentlich gar nicht so richtig mit, was wir gerade tun. Denk nur einmal an das morgendliche Zähneputzen. Wahrscheinlich ist dir nicht bewusst, wie du jeden einzelnen Zahn reinigst, sondern du überlegst dir vielleicht die Einkaufsliste. Oder du löst in deinen Gedanken ein Problem, das dich aktuell beschäftigt.
Weiterhin hegen viele Menschen den Anspruch an sich, ständig «funktionieren» zu müssen. Dies führt unausweichlich dazu, dass wir uns vorkommen, als befänden wir uns in einem Hamsterrad. Das andauernde Beschäftigtsein hat zur Folge, dass wir zunehmend Lebensfreude verlieren.
Frischgebackene Eltern, die sich in ihrer neuen Rolle als Mutter oder Vater erst zurechtfinden müssen, geraten hier häufig an ihre Grenzen.
Die gute Nachricht ist, dass Achtsamkeit in der Schwangerschaft dabei helfen kann, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Dies lässt sich mit der Zeit nicht nur im eigenen Verhalten erkennen, sondern sogar in den Gehirnstrukturen nachweisen.
Du lernst, besser mit Stress und Veränderungen umzugehen.
Besonders in Bezug auf die Zeit während der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbetts ist es interessant, die Auswirkungen von Stresszuständen auf den Körper genauer zu beleuchten. Durch die Achtsamkeitsübungen bereitet man den Weg dafür, einen anderen Umgang damit zu finden: Das körpereigene Fürsorge- und Bindungssystem wird gestärkt und die automatisch ablaufende Kampf- und Fluchtreaktion nehmen ab. Werdende Eltern lernen, mit den grossen Veränderungen, die die Schwangerschaft und die Geburt mit sich bringen, umzugehen.
Du lernst mit Achtsamkeit in der Schwangerschaft verschiedene Möglichkeiten kennen, mit intensiven Empfindungen und Schmerzen umzugehen.
Schwangerschaft und Geburt bringen intensive Empfindungen und Schmerzen mit sich, die oft für die schwangere Frau eine grosse Herausforderung darstellen. Diese schwierigen Umstände verstärken sich noch, weil Schmerzen häufig von negativen Gefühlen wie Angst oder Unsicherheit begleitet werden.
Verschiedene Achtsamkeitsübungen können dabei unterstützen, einen anderen Umgang damit zu erlernen und die Fähigkeit zu erwerben, körperliche Schmerzen und Missempfindungen als reine körperliche Empfindung wahrzunehmen.
Mit Hilfe der Achtsamkeitsübungen entwickelst du die Fähigkeit, Gedanken und Gefühle als geistige Gebilde wahrzunehmen. Dadurch lassen sich Schmerzen, Ängste und Unsicherheiten nach und nach verringern.
Du lernst, achtsam zu kommunizieren und Entscheidungen zu treffen, mit denen du dich wohlfühlst.
Ein Achtsamkeitstraining in der Schwangerschaft kann dich dabei unterstützen, auf eine achtsame Art und Weise zu kommunizieren. Besonders während der Geburt kann dies förderlich sein, da du so nicht nur mit deinem Partner, sondern auch mit dem medizinischen Personal auf Augenhöhe kommunizieren kannst. So bietet sich dir die Möglichkeit, dass du z.B. bei Interventionen reflektiert und überlegt handeln kannst: Was sind die Vorteile und Nachteile der vom medizinischen Personal vorgeschlagenen Vorgehensweise? Gibt es Alternativen und wenn ja, welche? Was kann passieren, wenn man nicht eingreift? Muss sofort gehandelt werden oder hat man die Möglichkeit, abzuwarten?
Mit Achtsamkeit in der Schwangerschaft lernst du, deine eigenen Bedürfnisse und die des Babys besser zu erkennen.
Da du lernst, den Körper, die Gedanken und Gefühle bewusst im Moment wahrzunehmen, kannst du deine Bedürfnisse im jeweiligen Moment erkennen und dich nach ihnen richten. Du nimmst beispielsweise besser wahr, wenn du erschöpft bist und eine Ruhepause benötigst. Oder du bemerkst, welche Nahrungsmittel dir während der Schwangerschaft guttun, bzw. welche du weniger gut verträgst. Auch die Bedürfnisse des Babys rücken in den Fokus deiner Aufmerksamkeit, da du die Beziehung bereits während der Schwangerschaft stärkst. Zudem bist du in der Zeit nach der Geburt besser in der Lage, die Signale des Babys zu deuten.
Du verringerst das Risiko, an einer Depression zu erkranken.
Forschungen belegen, dass eine regelmässige Achtsamkeitspraxis eine wunderbare Möglichkeit ist, präventiv gegen eine Depression während der Schwangerschaft oder des Wochenbetts vorzubeugen.
FAZIT: Achtsamkeit in der Schwangerschaft: Du legst den Grundstein für eine achtsame Lebenshaltung – auch nach der Geburt.
Achtsamkeit während der Schwangerschaft bereitet dich nicht nur gut auf die Geburt vor, sondern auch auf dein späteres Leben mit der Familie. Du lernst unter anderem, mit schwierigen Situationen besser umzugehen. Desweiteren entwickelst du eine freundlichere, wohlwollendere und mitfühlendere Haltung dir selbst und anderen gegenüber.


